Kirche in Neukirchen

Eines ist aus der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU6) deutlich zu erkennen: Bei den Kirchenaustritten ist noch lange nicht mit einer Bodenbildung zu rechnen, im Gegenteil: Der Bedeutungsverlust schreitet weiter voran, wenn ca. ein Drittel unserer zahlenden Mitglieder angeben, mit den Glaubensinhalten der Kirche nicht mehr so recht etwas anfangen zu können, wenn auch die Praxis, wenigstens zu hohen Festtagen oder wichtigen Lebensabschnitten in die Kirche zu gehen mehr und mehr abreißt, dann steht uns womöglich das Schlimmste noch bevor.

Wir müssen uns deshalb Gedanken machen, wie es finanziell weitergeht. Vor 10 Jahren habe ich pessimistisch gesagt: Irgendwann reichen die Kirchensteuern nur noch für Pastorengehälter und Gebäude, und alles aktive Leben muss mit Spenden finanziert werden und ehrenamtlich geleistet werden. Diese Annahme scheint mir heute sogar zu optimistisch.

Aber was, wenn es dafür schon nicht mehr reicht, wenn schon alle Jugenddiakone, Kirchenmusiker, Küster und Sekretärinnen entweder ehrenamtlich oder spendenfinanziert arbeiten würden, oder eben weggefallen sind, wenn Pastorenstellen zusammengestrichen sind, einzelne Kirchen aufgegeben und (vielleicht gerade deshalb) noch mehr Menschen austreten und man einfach aus der Abwärtsspirale nicht mehr herauskommt?

Dazu kommt ja auch noch, dass der Staat zunehmend kritisch angefragt wird, ob wein Beitrag zur Kirchenfinanzierung noch zeitgemäß ist. Die direkten Transferleistungen, im Wesentlichen für die Gehälter von Bischöfinnen und Bischöfen wirken reichlich aus der Zeit gefallen und geben immer wieder Anlass zu Kritik und beißendem Spott.

Nun dämmert aber auch nicht-gläubigen Menschen, dass der Verlust der Kirche als Ganzes für das soziale und kulturelle Leben im Land und speziell auf dem Land durchaus erhebliche Konsequenzen hätte. Die Kirchen als Gebäude aufzugeben wäre ein kulturhistorischer Verlust unschätzbarer Tragweite. Die Kirchen hier in meinen Dörfern sind ca. 825 Jahre alt, die ersten Steingebäude unserer Siedlungen hier, sie sind förmlich Zeitkapseln einer Baukultur, die nur in ihnen erhalten ist, sie sind Kristallisationspunkt geworden, an die Krug, Schule, Krämer und weitere Wohngebäude andockten.

Sie sind bis heute Ort in denen Dorfkultur stattfindet, kleine Konzerte, Lesungen – und natürlich Gottesdienste zu Ostern, Weihnachten und bei Trauungen, Trauerfeiern, Taufen und Konfirmationen – auch dann, wenn sie sonntäglich nicht mehr bespielt werden können.

Die Frage ist also zu stellen: Können sie und ihre Erhaltung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden? Lokal gibt es schon Kirchen und Kapellen, die von Heimatvereinen unterhalten werden, oder es gibt Projekte, die mit Mitteln aus Land oder Bund. unterstützt werden. Aber läge hier nicht eine Chance, das leidige Problem Kirchenfinanzierung vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Mein Vorschlag: Der Staat übernimmt die Baulast aller denkmalgeschützten Kirchen im Land. Staat wäre hier das Bundesland, weil dort die Kulturhoheit liegt. Die direkten Transferzahlungen für Bischofsgehälter werden eingestellt. Die Kirchen verpflichten sich, ihre Kirchen für kulturelle Zwecke zu öffnen, solange kein direkter Widerspruch zu ihrer eigentlichen Zweckbestimmung entsteht.

Es werden Konzepte erstellt, wie Kirchen als Denkmäler auch für Wohnbevölkerung und Touristen besser erschlossen werden können. Von virtuellen Führungen über QR-Codes im Schaukasten bis zu festen Öffnungszeiten, Faltblättern und Radwegnetzen. Kirchen brauchen Wertschätzung, denn wenn man ihren Wert zu schätzen weiß, kommen einem die Sanierungskosten nicht mehr so astronomisch vor.

Der Zeitpunkt, hier eine große Lösung zu suchen ist jetzt. Wenn wir erst „ostdeutsche“ Verhältnisse haben, und viele Reparaturen und Instandsetzungen ausfallen mussten, weil kein Geld da war, sind die Schäden oft irreparabel, oder die Sanierungskosten wirklich astronomisch.

In Dänemark kann man oft gut sehen, wie die Kirchlein, die dort vom Staat unterhalten werden, in gutem Zustand sind, von Touristen besucht, und von der Wohnbevölkerung vielfältig genutzt werden. Sie sind weiter eine wertvolle Ressource, die wir nicht aufgeben sollten. Während sich die Zahl der Bischöfinnen und Bischöfe meinetwegen der neuen Bedeutung der Kirche anpassen darf.

heidelbaer

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