Liebe Gemeinde, Danke!

Jetzt ist es geschafft: Sechs von sechs Weihnachtsgottesdiensten liegen hinter mir, die Gans im Ofen wird langsam knusprig, die Gäste aus Hamburg sind auf dem Weg. Weihnachten im Pastorat ist schon besonders. Ich will die Zeit nutzen, Danke zu sagen, Danke an meine Gemeinde. Denn es war besonders, dieses Jahr.

Die sechs Gottesdienste, vier am Heiligen Abend und dann je einer am 25. und 26. Dezember, waren geprägt von einem großartigen Miteinander. Das erste Krippenspiel um 14:00 gestalteten die Pfadfinder. Komplett: das Stück geschrieben, die Darsteller ausgesucht, die Texte gelernt, die Kostüme organisiert. Ich bin erst zur Generalprobe dazugekommen.

Und es war wunder-, wunderschön. Selbst die jugendlichen Mitarbeiter hatten Rollen übernommen, und man merkte, mit welchem Spaß alle dabei waren. Und es sprang auf die vollbesetzte Dorfkirche über, es wurde gelacht, und manche Herzen wurden berührt. Die Weihnachtslieder wurden laut mitgesungen, und tatsächlich: Groß predigen brauchte ich gar nicht, es war doch alles gesagt und gezeigt, was diesen Abend so besonders macht.

Das galt dann auch für den folgenden Gottesdienst. Der Organist hatte frei, und der Pastor beinahe auch: Der Flötenkreis der Gemeinde stellte die komplette Musik auf die Beine, dazu Krippenszenen, die ich mal zu dem Weihnachtsevangelium geschrieben hatte, wunderbar vorgeführt von Kindern und musikalisch hochwertig begleitet von einem mittlerweile 18köpfigen Ensemble.

Die Christvesper um 17:00 Uhr war dann Aufgabe der Prädikantin, also wieder „durfte“ ich nicht predigen, wieder war ehrenamtliches Engagement am Start statt Profi-Arbeit. Aber qualitativ absolut im Premium-Bereich. Ein Violin-Duo mit Weihnachtsmelodien und einem Programm, das schon für Jugend-Musiziert geübt wird, sorgte für zusätzlichen Glanz in diesem Gottesdienst.

Erst um 23:00 Uhr war ich dann dran, doch gerade dieser Gottesdienst lebt von den alten Texten und den schönen Liedern; um diese Uhrzeit darf die Predigt nicht zu lang sein. Und der Gottesdienst am 25. begann dann auch christlich um 11:00, hier habe ich dann meinen Nachbarpastoren einen freien Vormittag schenken dürfen, weil wir den als Regionalgottesdienst gefeiert haben.

Am 26.12. war Gottesdienst im Hühnerstall in Kollerup.Bis auf den letzten Platz war der Raum gefüllt, einige mussten stehen. Alles war vorbereitet, gestühlt, geschmückt und geheizt von Ehrenamtlichen, die Musik machte der Posaunenchor Havetoft, also auch Menschen, die freiwillig gekommen sind, um uns zu beschenken.

Warum erzähle ich das alles? Zunächst, weil ich Danke sagen will, danke an all jene in meiner Gemeinde, die sich so eingesetzt haben, so viel Zeit, so viel Kraft und so viel Liebe investiert haben. Denn auch in der Adventszeit waren weit über ein Dutzend Einsätze von Sing- und Flötenkreis in Altenheimen, Feiern und Konzerten zu zählen.

Dazu kommt der schier unermüdliche Einsatz von Frauenhilfe, Altenkreis, Landfrauen, Pfadfindern, Kindergottesdienstteam und anderen Gruppen und Kreisen, die Weihnachtsfeiern ausgerichtet haben, Kuchen und Plätzchen gebacken und verziert haben, gebastelt, geschmückt und Kaffee gekocht haben.

Die Zahl der Menschen, die so auf die eine oder andere Weise beschenkt wurden, ist schwer zu schätzen, aber es ist nicht vermessen anzunehmen, dass es womöglich 1000 waren, die eine echte, menschliche Begegnung mit Weihnachten bekommen haben, der Botschaft, der Musik, dem Geist der Weihnacht. Das ist für eine kleine Landgemeinde einfach enorm.

Ein zweites ist mir wichtig: Viele Kolleginnen und Kollegen haben gerade zu Weihnachten oft ein Bild von Gemeinde, als wären es alles nur hungrige Maden in ihren Waben, die sie als Arbeiter/in nun alle mit Zuckerzeug versorgen müssten. Hunderte, tausende, die nur mit ihren Kiefern mahlen, um endlich abgefüttert zu werden.

Das habe ich dieses Jahr ganz anders erlebt: überall war eine Bereitschaft, ja eine Begeisterung, sich zu engagieren, mitzumachen, mitzugestalten, Mitverantwortung zu übernehmen. Ich habe wirklich lebendige Gemeinde erlebt. Ja, ich hatte darin auch meine Rolle, zu begleiten, zu ermutigen, zu koordinieren, ja es haben auch bezahlte Kräfte unserer Gemeinde einen großen Anteil daran (und verdienen einen großen Dank). Dennoch: es war Mitmachgemeinde und keine Versorgungskirche.

Und damit das Dritte, und das ist meine kirchenpolitische Pointe: In unserer Kirche werden ständig Strukturreformen diskutiert. Und je mehr dort von oben nach unten gedacht wird, desto stärker setzen sich Bilder einer „Versorgungskirche“ durch. Es ist nicht falsch, Kirche auch mal als „Dienstleister“ anzusehen, von dem Mitglieder zu bestimmten Anlässen Serviceleistungen erwarten, an die sie auch gewisse Qualitätsansprüche haben.

Aber wenn das zum dominierenden Kirchenbild wird, und man mehr in Regionalen Servicezentren als in Ortsgemeinden denkt, ja wenn eine kleinteilige Gemeindestruktur sogar mehr als Problem denn als eine großartige Ressource wahrgenommen wird, dann bekommt das eine gefährliche Schieflage. Natürlich kostet diese kleinteilige Struktur Geld und ist nicht immer smart und effektiv, und ja, sie macht der Verwaltung viel Arbeit.

Es ist aber die Aufgabe der geistlichen Leitung von Kirche, jeder Hausmeistermentalität zu widersprechen. Natürlich machen viele Gruppen im Gemeindehaus viel Arbeit. Mit weniger wäre alles einfacher. Wollen wir wirklich der Verwaltung Arbeit ersparen und dafür Gemeinden zusammenlegen? Doch wohl nicht ernsthaft!

Fusionen sind sinnvoll, wenn kleine Gemeinden spüren, dass sie alleine nicht bestehen können, dass einfach zu wenig engagierte Menschen da sind, um die Ämter zu besetzen und Gemeindeleben zu gestalten. Da entlastet es alle, wenn man gemeinsam stärker ist, als jeder für sich alleine. Aber ein Konzept von Kirchenregionen, in dem Gemeinden de facto aufgelöst werden, und durch eine Regionalversorgung ersetzt werden, ist hochproblematisch.

Auch deshalb schreibe ich auf, weshalb ich dieses Weihnachten das Gefühl habe, so beschenkt zu sein von meiner kleinen Gemeinde. Dass es wahrgenommen wird, was kleine Gemeinden leisten können, wenn man sie lässt, wenn man sie am Leben erhält, auch wenn das mit Kosten und Mühen verbunden ist.

Das, was mit den am Ende doch sehr bescheidenen Ressourcen geleistet wird, ist unendlich viel kostbarer, als mancher es sich vorstellen kann. Seht hin und staunt, freut euch und seid dankbar. Ich bin es auch.

Heidelbaer


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