Besser miteinander reden als übereinander

Dieser Satz, den Merkel bei ihrem ersten Besuch bei Donald Trump mindestens zweimal sagte, könnte als smalltalk-kompatible Binsensweisheit durchgehen. Aber so war er nicht gemeint. Er transportierte eine Menge dessen, was Merkel sich für diesen Besuch vorgenommen hatte.

Erstens ist er nach hinten gerichtet. Was Trump während des Wahlkampfes über Merkel gesagt hatte, war alles andere als diplomatisch und höflich. Gleiches gilt aber auch für Kabinettsmitglieder von Merkel, die sich ungewohnt scharf für seine Gegenkandidatin Clinton und gegen einen Präsidenten Trump ausgesprochen hatten.

Die Ansage stellt also den Versuch dar, eine Art Schlussstrich zu ziehen: Das Übereinander Reden ist jetzt vorbei, jetzt reden wir miteinander, das ist anders, das ist besser. Schwamm drüber was alles übereinander gesagt wurde, wenden wir uns dem hier und heute zu. Das passt zu Merkels pragmatischer, realpolitischer Linie, die sich nicht gern mit Befindlichkeiten aufhält.

Zweitens ist der Satz aber auch eine Erkenntnis für die Gegenwart, wie sie ihr Gegenüber einschätzt. Trump ist geradezu berüchtigt dafür, dass er nicht liest. Möglicherweise hat Trumps Team ein dickes Dossier über Merkel zusammengefasst, was man alles nach drei Präsidenten und vielen Jahren über sie weiß. Er wird es nicht gelesen haben, sondern bestenfalls den Referenten gefragt haben: „Was steht denn drin? In drei Sätzen?“

Stattdessen sieht Trump fern, und am liebsten FOX-News. Dort aber herrscht schon eine Art Bürgerkrieg in Deutschland, marodierende Banden unregistrierter illegaler Flüchtlinge ziehen raubend, mordend und vergewaltigend durch die Städte. Die Bevölkerung, von ihrer Regierung im Stich gelassen und selbst  gänzlich unbewaffnet lebt in Angst und Schrecken.

Lasst uns nicht übereinander reden, sondern miteinander, vielleicht bekommt Trump ja auch von Hass und Häme in deutschen Medien etwas mit, wo ein Bild einer protofaschistischen Präsidialdiktatur entsteht mit gegängelten Medien, verängstigten MigrantInnen und nationaltümelnden Isolationismus.

Auch da gilt: Seht her, wir reden miteinander, Donald, alles nicht so schlimm, wir hassen euch gar nicht, und hier unter vier Augen kann ich dir auch sagen: Man kann in Deutschland noch nach 20:00 vor die Tür gehen, ja auch als Frau und ja, auch ohne eine 8mm Halbautomatik in der Handtasche.

Das funktioniert bei diesem Präsidenten einfach besser als lange Dossiers, Communiquées und Briefe oder Berichte. Mit ihm muss man reden, wenn man ihn erreichen will, denn auch wenn er nicht liest: Zuhören kann er. Er ist längst nicht so selbstbezogen wie er dargestellt wird. Könnte er nicht zuhören, er hätte nie die Herzen und Stimmen so vieler Menschen gewonnen.

Der dritte Aspekt ist in die Zukunft gerichtet, fast schon als eine Art moralischer Apell. Sie weiß, dass Trump beides kann: in Tweets und Rallies öffentlich ordentlich auskeilen und andererseits im persönlichen Gespräch sach- und lösungsorientiert zuhören. Also apelliert sie mit Nachdruck: Bitte, Donald, lass es uns in unserem bilateren Verhältnis bei letzterem belassen.

Sie hat damit durchaus Erfahrungen. Man denke nur daran, wie beinahe unerträglich sparsam sie mit öffentlichen Stellungnahmen zu Erdogans öffentlichen Entgleisungen ist –  und wie oft sie dagegen in letzter Zeit das persönliche Gespräch gesucht hat.  Was am Ende aber wahrscheinlich dazu führte, dass Tayyips großssprecherischer Rhetorik bislang noch keine schlimmeren Taten gefolgt sind.

Das ist womöglich der Kern ihrer Führungsstärke, nicht in den großen Reden, wie zum Beispiel Obama sie halten konnte, sondern in der bewundernswerten Unerschrockenheit, mit der sie auch cholerischten Alphamännchen gegenübertritt, und mit ihrer puren Präsenz zwingt, zur Sache zu kommen. Und auf der Sachebene, da ist sie, die Mutter der Alternativlosigkeit, immer glänzend vorbereitet und fast immer im Vorteil.

Insofern war das ein starker Antrittsbesuch von Merkel in Washington. Sie hat mit diesem Satz die Vergangenheit abgehakt, die Gegenwart beschrieben und die Richtung für die Zukunft des Miteinanders festgelegt. Und Trump hatte dazu – wie sollte er auch – keine Alternative.

Heidelbaer

 


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