Luther und die Türken – und wie ist unser Verhältnis zum Islam heute?

Teil 3 meiner #DarkLuther Predigt. Diesmal geht es um Luthers Stellung zu den Türken und zum Islam – und wie man sich heute dieser sehr aktuellen Frage stellt. Wie immer beginnt es mit einem Handpuppenspiel, einem Dialog zwischen Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora.

Martin und Käthe.

Käthe: Hast du gehört? Die Türken stehen vor Wien!

Martin: Sie haben auch Konstantinopel genommen, weil der Papst die Ostkirche im Stich gelassen hat. Das hat er nun von seiner Rechthaberei!

Käthe: Und was wirst du tun? Du bist doch auch so ein oller Rechthaber.

Martin: Der Papst zerstört die Einheit der Christen, wenn er die Ostkirchen für Ketzer erklärt. Der Vormarsch der Türken ist eine Strafe Gottes für diese römische Frevelei.

Käthe: Soweit kommt es noch, dass du in den türkischen Janitscharen die Engel Gottes siehst!

Martin: Nein, vom Teufel sind sie allesamt. Eine Geißel der Christenheit. Die uns trifft, weil wir den Glauben an Christus verloren haben.

Käthe: Und das willst du nun besser machen. Aber wenn du jetzt alle evangelischen aufrufst, die katholischen in Wien im Stich zu lassen, bist du doch keinen Deut besser.

Martin: Soll ich zum Kreuzzug aufrufen? Soweit kommt das noch!

Käthe: Aber du kannst auch nicht schweigen.

Martin: Ich fürchte, du hast recht. Ich gehe mal an den Schreibtisch…

Liebe Gemeinde.

Es ist schon spannend: Gegen die Bauern ruft Luther quasi zum Kreuzzug.

Gegen die Türken nicht.

Luther hält die Muslime zwar für Ungläubige, den türkischen Angriff für eine Geißel des Teufels – aber er will keinen Religionskrieg.

Er hält an seiner Lehre fest, dass das Christentum nicht mit Gewalt verbreitet werden kann, sondern nur mit der Lehre des Evangeliums.

Ja, der Staat darf sich gegen angriffe wehren, Städte soll man vor Feinden schützen, aber das gilt ganz unabhängig von Glauben und Religion.

Das war zu seiner Zeit enorm fortschrittlich gedacht, er enttäuschte damit auch einige seiner Anhänger. Und auch seine Gegner, die bereit gewesen wären, ihm alles Mögliche zu verzeihen und ihn persönlich womöglich sogar einen Kardinalsposten in Rom anzubieten, hätte er sich hier an die Spitze eines Heiligen Krieges gestellt.

Aber nein, Luther blieb sich und seiner Theologie auch hier treu. Und diese Überzeugung hat sich im gesamten Christentum, auch dem katholischen mittlerweile durchgesetzt: Mit militärischen Mitteln wird unser Glaube nicht ausgebreitet.

Deshalb sehen wir heute eine andere – für Luthers Zeiten gängige – Formulierung viel kritischer: Sollen die Muslime wirklich mehr oder minder als Jünger des Teufels gelten?

Oder haben sie nicht doch den gleichen Gott wie wir?

Es wird glaube ich kaum etwas so kontrovers diskutiert heute wie das.

Und die Antwort ist komplizierter, als man vielleicht meint, wenn man spontan beherzt ja oder nein sagt.

Denn hier gilt doch ein entschiedenes sowohl als auch.

Einerseits können wir sagen: Natürlich ist es derselbe Gott.

Das stimmt einfach religionsgeschichtlich: Der Gott der Juden, der Gott der Christen und der Gott der Muslime: das alles baut aufeinander auf.

Es ist definitiv derselbe Gott Abrahams gemeint, der im Koran Ibrahim heißt. Der Gott Noahs und der Arche, der Gott der die Welt geschaffen hat und ja, auch Jesus kommt im Koran vor, samt Maria und den Jüngern.

Und auch theologisch muss man sagen: Wenn wir strenge Monotheisten sind, dann gibt es im Himmel nur einen Gott. Damit erübrigt sich eigentlich die Frage, ob das derselbe ist, wenn es keinen anderen gibt bleibt ja nicht viel übrig.

Aber so richtig satt machen uns diese Antworten nicht. Denn Islam und Christentum sind ja doch ganz unterschiedliche Religionen, und bei allem gemeinsamen, das man entdecken kann, erkennt man auch gewaltige Unterschiede.

Es ist ja nicht dieselbe Beziehung zu Gott, die wir haben. Und das liegt auch daran, dass eben das Wesen Gottes ganz anders gelehrt wird, und wen wesentliche Unterschiede bestehen – ist es dann überhaupt derselbe Gott?

Ich erkläre das immer bei Taufen: Kinder haben eine Ahnung davon, dass es Gott gibt, aber sie wissen nicht: Wie ist der drauf?

Und hier wird der christlich-islamische Dialog spannend – und eben auch kontrovers.

Vor allem, wenn auch Begriffe ganz unterschiedlich gebraucht werden: Zum Beispiel Barmherzigkeit.

Barmherzigkeit: Von oben nach unten, als huldvolles Erbarmen des mächtigen Herrschers?

Oder von unten, wie Jesus es erzählt im Gleichnis vom barmherzigen Samariter? Und wie er es selber lebte, am Kreuz hängend für Vergebung zu bitten, für die, die ihn zu Tode foltern?

Genau das akzeptiert der Koran nicht, Jesus kann gar nicht gestorben sein, behauptet Mohammed, man habe ihn verwechselt, ein anderer sei ans Kreuz genagelt worden.

Zum Wesen Gottes passt es nicht zu leiden, zum Wesen Gottes passt es nicht ohnmächtig zu sein, zum Wesen Gottes passt es nicht zu sterben.

Zum Wesen Gottes passt es nicht, einen Sohn zu haben, und es passt auch nicht selbstlos zu lieben.

Das alles aber ist wesentlich für unseren Glauben, das alles ist wesentlich für unsere Beziehung zu Gott.

Und ja, diese Erkenntnis verdanken wir auch Martin Luther. Niemand hat Gnade und Barmherzigkeit, niemand hat Vergebung Gottes und Hingabe Jesu so durchbuchstabiert wie er.

Wir glauben nicht, dass sich Gott durch einen Menschen, in einem Buch offenbart hat. Wir glauben, dass wir Gott erkennen, dass wir ihm begegnen in einem Menschen, in Jesus Christus.

In dem was er sagte, in dem was er tat, in dem was er erleiden musste.

Wir glauben, dass wir in diesem Jesus einen leidenschaftlich liebenden Gott erkennen, weil wir das Zeugnis von so vielen Zeugen haben – statt der Offenbarung eines einzelnen.

Nun gibt es Leute, die erneut von einem Türkensturm gegen das christliche Abendland reden. Die kritisch sehen, wenn Muslime kommen, um in unserem Land zu leben.

Mir machen ehrlich gesagt die Leute die so reden mehr Angst, als die Menschen die hierher kommen.

Ja, wir haben da eine große Herausforderung eben nicht nur in sozialer, nicht nur in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht.

Sondern auch in religiöser Hinsicht als Christen.

Aber wie sagte Luther: Das ist keine Frage, die mit Gewalt entschieden wird, mit Gesetzen und Gerichten.

Sondern mit einem gewissen und fröhlichen Glauben. Mit guter Bildung und Kenntnis der Bibel und der Bekenntnisse.

Mit Liedern und Gebeten, mit Gemeinschaft und mit Nächstenliebe.

Wenn es uns daran mangelt – ja, dann ist das Christentum in Gefahr. Aber von innen, nicht von außen.

Ja, es gibt auch Dinge, die die Politik regeln muss, wenn es um Sicherheit und Recht und Gesetz geht, das ist keine Frage.

Aber in Glaubensfragen soll sie sich lieber nicht einmischen, und so ist es ganz im Sinne Luthers auch bei uns so im Grundgesetz geregelt.

Und ehrlich: ich kann die Verzagtheit vieler Christen nicht verstehen. Ist unser Gott, der so warmherzig und leidenschaftlich die Menschen liebt.

Ist der nicht attraktiv? Will man den nicht kennenlernen, will man dem nicht vertrauen?

Ist nicht Jesus Christus mit seiner Kraft Wunder zu tun, mit seinen wo starken und weisen Worten, mit seinen berührenden und befreienden Geschichten, mit seiner Bereitschaft wirklich sein Leben für dich und mich zu geben – ist das nicht ein fröhliches Bekenntnis wert?

Hat denn der Heilige Geist ganz aufgehört bei uns zu wehen? Und wie erklären Sie sich dann den Fall der Mauer? Wie erklären Sie sich die Welle der Hilfsbereitschaft in der Flüchtlingskrise? Es gibt Sie doch noch diese Kraft Gottes, die Grenzen überwindet und Menschenherzen zum Guten bewegt.

Überwinden wir erstmal unsere eigene Glaubenskrise, bevor wir den Teufel an die Wand malen und uns dann auch noch vor ihm fürchten.

Trauen wir stattdessen Gott viel mehr zu. Lassen wir Jesus unseren Herrn sein, Geben wir dem Geist in unserer Kirche Raum.

Dann werden Menschen zu uns kommen, um zu bleiben. Und zwar nicht nur Muslime, sondern alle, die Sehnsucht, nach einem gütigen, barmherzigen und liebevollen Gott haben.

Amen


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