Karfreitagspredigt

Eines der für mich eindrücklichsten Bilder vom Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris.

Ist das Kreuz in den Trümmern.

Ein Sinnbild, gerade zum Karfreitag.

Das Kreuz strahlt golden über den rauchenden Trümmern.

Den Trümmern unserer Pläne, unserer ganzen Existenz.

Karfreitag erinnert uns an die Brüchigkeit,

an das Versagen.

An den Zusammenbruch.

Karfreitag erinnert uns daran, dass wir es nicht schaffen, alles gut zu machen.

Alles Gut – so eine Schöne Floskel, die ich auch gerne benutze, wenn man mich fragt wie’s mir geht,

wenn jemand glaubt, er hätte einen fatalen Fehler gemacht – alles nicht so schlimm,

alles gut,

alles in Ordnung,

kein Problem.

Karfreitag erinnert uns daran, dass das im Kern nicht stimmt.

Es ist nicht alles gut.

Es ist nicht alles in Ordnung.

Und unser Versagen ist eben doch fatal.

Immer wenn wir selber etwas großartiges, etwas Ewiges bauen wollten,

wenn wir die Welt retten wollten,

wenn wir wirklich alles gut machen wollten.

Dann blieben so oft nur rauchende Trümmer übrig.

Wir wollten alles richtig machen.

Alles perfekt.

Und alles ist kaputt.

Das gilt in der Weltgeschichte.

Das gilt für den perfekten Staat,

das tausendjährige Reicht

das Paradies für Arbeiter und Bauern

das gilt für die Titanic und den Turm zu Babel.

Das gilt auch heute.

Wir versagen dabei, soziale Gerechtigkeit zu erreichen, die Armen werden ärmer, die Reichen reicher.

Wir scheitern dabei Europa als demokratische Gemeinschaft des Friedens zu bauen, überall wuchert Nationalismus und Autoritäre Parteien.

Wir scheitern beim Klimaschutz, bei der Mülltrennung und beim Abgastest.

Bei Migration und Integration womöglich auch.

Wir schaffen das, sagte Merkel

und sie hat es gemeint,

und sie hatte ja recht, das Deutschland stark ist

und reich und demokratisch gefestigt.

Und doch mehren sich die Zeichen:

Wir schaffen es vielleicht nicht.

Natürlich liegt es leicht auf die anderen zu zeigen,

die, die sich gar nicht integrieren wollen,

die keine Sprache lernen,

die nur abzocken wollen,

oder schon immer kriminell waren.

Aber es ist auch unser Scheitern,

mit versagender Bürokratie,

mit tiefen Ressentiments in der Gesellschaft,

mit Hassbotschaften, die nur zu gerne geteilt und geglaubt werden, selbst wenn es Lügen sind.

Wenn wir nicht aufpassen,

bleiben Rauchende Trümmer.

Unserer Pläne, unseres schönen Bildes von uns selbst.

Womöglich auch rauchende Trümmer im wahsten Sinne des Wortes.

Und hier, bei uns im Dorf?

Wie viele scheitern in ihrer Ehe?

Wie viele scheitern bei der Erziehung ihrer Kinder?

Wie viele scheitern, gesund zu leben?

Wie viele scheitern beruflich?

Wie viele scheitern bei ihrer Suche nach Glück?

Wie viele rauchende Trümmer gibt es in unserem Dorf, oder in deinem Leben?

Doch darüber strahlt golden das Kreuz.

Ein Zeichen der Hoffnung und der Würde

Ein Zeichen der Gnade und Freiheit.

Gott kennt unser Scheitern

er trug es ans Kreuz.

Gott kennt unser Versagen,

er trug es ans Kreuz.

Gott kennt unsere Schuld.

Er trug sie ans Kreuz.

Gott kennt unsere zerplatzten Träume

Er trug sie ans Kreuz.

Gott kennt unsere Selbstüberschätzung

Er trug sie ans Kreuz

Gott kennt unsere Selbstzweifel

Er trug sie ans Kreuz

Er kennt unsere Angst.

Er trug sie ans Kreuz.

Er kennt unser Misstrauen

Er trug es ans Kreuz.

Sein Kreuz steht mitten in unseren rauchenden Trümmern und doch darüber, golden im Licht.

Wenn alles fällt, wenn alles zusammenbricht, dann strahlt das Kreuz auf: Gott wendet sich nicht grausend ab, vor unserem Versagen: er wendet sich uns zu.

Und das ist unsere Hoffnung: Dass Gott kein Gott der Perfekten, der Sieger, derer ist, denen alles gelingt.

Sondern dass er für uns da ist, die wir wissen, da ist ein Knacks.

Da ist ein Punkt in unserem Leben, da ist eben nicht alles gut.

Und Jesus sagt: Dann lass mich doch gut sein.

Dann lass es mich doch gut-machen.

Vielleicht sollten wir das Kreuz als Zeichen der Wieder-gut-machung ganz wörtlich nehmen.

Er, der Mann am Kreuz, dieser Jesus, macht alles wieder gut.

Er versöhnt uns mit Gott,

Er versöhnt uns mit den Mitmenschen, denen wir nicht gerecht werden konnten.

Er versöhnt uns mit unserem eigenen Scheitern.

Wir brauchen nicht mehr so tun als ob.

Es ist nicht alles gut.

Vielleicht ist nichts wirklich gut.

Aber das ist nicht das Ende.

Es ist der Anfang Jesus das Leben anzuvertrauen und zu sagen: Dann du.

Dann wir beide zusammen.

Weil die Welt Vergebung braucht.

Heilung.
Einen Heiland.

So wie ich dich brauche.

Mach du alles wieder gut.

Dafür ist Jesus gestorben, dass du leben darfst

Amen.


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